[Ich hab da mal ne Frage]

Im letzten Beitrag endete ich mit diesem Zitat aus einer Therapiestunde:

Patient, etwa 20 Jahre, ganz am Ende der Stunde; wir arbeiteten da seit etwa 3 Monaten zusammen.
Pat: „… ich hab da mal ne Frage!“
Ich: „Ja, schießen Sie los!“
Pat.: „Soll ich mit Ihnen eigentlich auch über meine Probleme reden?“

😀 😀 Ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen… (ich fand bei ihm einen sehr ressourcenorientierten Ansatz zielführend)

Beim weiteren Nachdenken fiel mir dann aber auf, wie klug diese Frage eigentlich ist, wenn man sie etwas weiter denkt: denn schlussendlich fragt er ja, was ich als Psychologin von ihm als Patienten erwarte.

Und daraus entstand meine Idee einer neuen Kategorie, die ich auch gerne „Ich hab da mal ne Frage…“ nennen würde – vorerst mal als Arbeitstitel. In dieser Kategorie sollen EURE Fragen beantwortet werden. Was wolltet ihr einen Psychologen / Psychotherapeuten (in Ausbildung) schon immer gern mal fragen? Das können eben genau solche Fragen sein wie:
– „Hast du Erwartungen an deine Patienten?“
„Haben Sie auch so Probleme wie normale Menschen?“
– „Gibt es Fälle, von denen du dich nur schwer distanzieren kannst?“
– „Gibt es etwas was dich so richtig an deinem Job nervt?“

… oder etwas ganz Anderes. Ich verspreche, zu jeder Frage einen Antwort-Artikel zu verfassen!
Sollte jemand anonym fragen wollen, könnte man sich z.B. eine anonyme Mailadresse einrichten und mir eine Mail schicken. Ansonsten natürlich auch gerne per Kommentar hier unten (anonym z.B. mit Angabe einer 10-minute-Mailadresse)…

Also: was wolltet ihr einen Psychologen schon immer mal fragen?

Ein ganz herzliches Willkommen an dieser Stelle natürlich auch allen neuen Lesern / Followern! Schön, dass ihr da seid! Vielleicht habt ihr ja auch schon eine Frage? 🙂


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Der mächtige Krieger – Gewalt in Videospielen

... oder: warum Egoshooter aus Menschen keine Killer machen

Nach einem Amoklauf stellt sich meistens heraus, dass der Amokläufer sogenannte Ego-Shooter gespielt hat. Dabei handelt es sich um ein spezielles Genre, in der man aus der Ego-Perspektive heraus eine Spielfigur steuert und meist in einem Kriegs-Setting gemeinsam mit anderen Spielern Gegner ausschalten muss. Medial wird dann häufig kommuniziert: Die Egoshooter haben aus dem Menschen einen Killer gemacht!

Zuallerst: Hier begegnen wir einem ganz häufig auftretenden Fehler: Korrelation wird mit Kausalität verwechselt. Bei einer Korrelation treten zwei Dinge zusammen auf – der Mensch läuft Amok und hat Egoshooter gespielt; bei einer Kausalität besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen zwei Dingen – der Mensch ist durch die Egoshooter zum Amokläufer geworden. Eine Kausalität muss aber wissenschaftlich untersucht werden und ist eben nicht durch die reine Korrelation gegeben.

Schauen wir uns also die Studienlage an:

Weiterlesen „Der mächtige Krieger – Gewalt in Videospielen“

[Hinweis] Psycho-Psyche-Therapie nun auf Instagram!

Ihr Lieben,

ein kleiner Hinweis zwischendurch: Psycho-und-Therapie gibt es HIER nun auch auf Instagram!
Dort werde ich regelmäßig „Psycho_und_Therapie-Quotes“ posten, die meistens einzelnen Blogbeiträgen entnommen sind.

Ich freu mich auf euren Besuch! Follows werden natürlich mit Gegen-Follows beantwortet…

Und: Ein herzliches Willkommen allen neuen Followern hier! Schön, dass ihr da seid!

Aus der Praxis 2: Wie deutet man Träume? – 8 Schritte zum Ziel

In der Rubrik „Aus der Praxis“ möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Ein gemütlicher Abend in einer ruhigen Bar; gemeinsam mit Freunden genieße ich ein leckeres Getränk. Ein Teelicht flackert langsam vor sich hin, die Eiswürfel klackern beim Umrühren im Glas und das Gespräch fällt auf das Thema „Träume“. „Sag mal, du als Psychologin, wie machst du das mit der Traumdeutung?“.

Erstmal vorweg: ein festes Ablaufschema gibt es nicht; jeder Traum ist anders, jeder Träumer ist anders, jedes (psychotherapeutische) Gespräch ist anders. Prinzipiell gehe ich allerdings so vor:

1) Ich frage den Träumer zuerst, was er selbst im Traum empfunden hat. Angst, Freude, Neugierde, Wut…? … und ob es sich im Verlauf des Traums verändert hat. Das gibt erste Hinweise auf die „emotionale“ Struktur des Traums, gegebenenfalls auf Wendepunkte oder Bruchstellen.

2) Danach erkundige ich mich gleich nach den eigenen Ideen / Assoziationen des Träumers. Damit stoße ich gelegentlich auf Verwirrung – „ich komme doch, damit SIE mir sagen, was das bedeutet!“. Die ersten spontanen Assoziationen zu einem Traum sind allerdings häufig eine wertvolle Spur, auch wenn sie im ersten Moment völlig abstrus anmuten.

Weiterlesen…
Traumsymbole Träume Bedeutung Traumdeutung C.G. Jung

[Träume] Auf der Suche nach einer seriösen (Traum-)Symboldatenbank?

Immer wieder stoße ich im Netz auf Seiten, die sich mit Traumdeutung befassen; finde in Foren und sozialen Netzwerken Links auf zum Teil dubiose Inhalte, die mehr an ein Horoskop als an eine seriöse Informationsseite erinnern. Gibt es kostenlos überhaupt etwas Brauchbares? (Achtung – auch in kostenpflichtigen Angeboten / Büchern findet man oft Quacksalberei)

Empfehlen kann ich Symbolonline; geschrieben von Psychotherapeuten, die nach C.G. Jung ausgebildet worden sind. Die jungianische Psychologie beschäftigt sich eingehend mit Symbolik und hat auf dieser Seite eine Vielzahl an Traumsymbolen zusammengetragen und ausführlich erklärt – kostenlos und jederzeit zugreifbar :

https://symbolonline.de/

Anders als auf manch anderer Seite wird man hier kein „wenn du im Traum das siehst, dann bedeutet das das“ finden, sondern eine Vielzahl an möglichen Interpretationen, die auf die eigene Situation hin angepasst werden müssen. Die spannende Herausforderung, den Brückenschlag zum eigenen Leben und der vielleicht gemeinten Gegebenheit zu finden, bleibt uns hier zum Glück erhalten! [Alles Andere ist ohnehin unseriös und schlicht falsch]

Ich persönlich stöbere dort sehr gerne und lerne immer wieder etwas Neues über Traumsymbole dazu….

Mehr lesen zum Thema „Träume“?

Hilfeschrei aus dem Traum
Sind Träume nur Schäume?
Aus der Praxis 2: Wie deutet man Träume? 8 Schritte zum Ziel

Bildnachweis: (c) Gozitano, Dreamcatcher in the sky, Helligkeits-, Kontrast- und Farbtonveränderung von Jeca (Psychologik), CC BY-SA 4.0

Quick! Scroll endlessly through social media!


http://theawkwardyeti.com

Social media können für viele Menschen eine Bereicherung des Alltags und des Soziallebens sein – wenn sie in Maßen genutzt werden. Häufig geschieht allerdings, was oben dargestellt ist: social media eigenen sich vortrefflich, um eigene Gefühle nicht wahrnehmen zu müssen. Durch das Smartphone haben wir in jedem Moment unseres Tages die Möglichkeit, uns sofort und sehr erfolgreich von uns und unseren Gefühlen weg zu bewegen. Im ersten Moment sorgt das für schnelle Abhilfe; wir müssen uns mit dem aufkommenden Gefühl nicht beschäftigen. „Los“ werden wir es dadurch allerdings nur in den seltensten Fällen und langfristig werden wir unausgeglichen; schlimmstenfalls sogar depressiv.
Durch die ständige Verfügbarkeit von social media sind wir – viel mehr als früher – der ständigen Versuchung ausgesetzt, uns für den vermeintlich einfachen Weg zu entscheiden: einfach nicht zu fühlen. Einfach ablenken.

Mir gefällt an der Darstellung durch theAwkwardYeti, dass das Herz eigentlich weiß, dass es sich hierbei um keine gute Strategie handelt; im Gegenteil, eigentlich möchte es das Gefühl sogar fühlen dürfen. Unser Gehirn ist allerdings sehr erfolgreich darin, uns Gefühlsregungen zu verbieten. Häufig geschieht das dadurch, dass wir uns nicht in der Lage fühlen, adäquat mit dem Gefühl umzugehen. Was mache ich denn mit der Wut? Habe ich gelernt, wie ich sie nicht-destruktiv, vielleicht sogar konstruktiv, ausleben kann? Was tue ich denn, wenn ich traurig bin? Habe ich innere Anteile, die mich dann trösten können? Oder falle ich sofort in ein Loch? Es ist also ein haltender Rahmen nötig, um uns unseren Gefühlen zu stellen.

Weiterlesen „Quick! Scroll endlessly through social media!“

„Haben Sie auch so Probleme wie normale Menschen?“

Kürzlich habe ich in einer Hauptschulklasse (Alter der Schüler: zwischen 16 und 19) einen Suchtpräventionsvortrag zum Thema „Computerspiele“ gehalten. Ich hatte mich als Psychologin vorgestellt, woraufhin sich in etwa Folgendes abspielte:

Schüler 1: „Boah krass… also Sie sind so… Psycho…was? Psychologin? Boah… dann können Sie mich jetzt so voll analysieren und so, wie ich mich beweg und was ich eigentlich mein und so, oder? Und was ich so denk? Kann man Sie dann gar nicht anlügen??“

Das erinnerte mich ein wenig an die Begegnung mit der älteren Dame, von der ich hier berichtet habe. Eigentlich hätte ich diese ehrfürchtige Vorstellung ja erstmal bestätigen und erst am Schluss auflösen sollen, aber die Klasse hatte bis dahin so gut mitgemacht, dass ich mich getraut habe, mich zu „outen“. 😉

Auch dieser Schüler schien einerseits erleichtert, aber andererseits auch ein wenig enttäuscht, als ich ihm mitteilte, dass das nur Klischees sind. Natürlich haben wir durch unsere lange Ausbildung und durch unsere Berufserfahrung gewisse Fähigkeiten entwickelt und können eher korrekte Hypothesen aufstellen als Laien, aber es bleiben dennoch Hypothesen, die wir nur im Verlauf einer Behandlung prüfen können.
Klasse war dann auch noch Schüler 2, der den Titel für diesen Beitrag lieferte:

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Auch Psychologen kochen nur mit Wasser

Auch Psychologen kochen nur mit Wasser

Kürzlich war ich auf einer Weihnachtsfeier eingeladen und hatte Gelegenheit, mit einer Dame ins Gespräch zu kommen. Wir kennen uns schon viele Jahre und unterhalten uns immer wieder gerne. Sie erzählte mir etwas Persönliches und schloss ihren Bericht mit dem Satz ab: „Aber du bist ja Psychologin, das weißt du ja bestimmt schon ganz lang„.

Hat sie Recht? Wusste ich das schon ganz lang?

Solche Aussagen begegnen mir recht häufig. „Das hast du ja sicher schon bei unserer ersten Begegnung gesehen!“, „Ich hab mich selber da noch nicht verstanden, aber du kannst mir das ja bestimmt erklären“ oder „Ach, das hast du ja eh schon gemerkt“ sind nur einige Beispiele. Offenbar traut man mir durch meinen Beruf Superfähigkeiten zu. Ein Mal sagte ich im Spaß zu jemandem: „Ja, wie man Leute durchschaut, indem man ihnen ein Mal tief in die Augen sieht, lernt man im dritten Semester!“. Die Person sah mich daraufhin mit großen Augen an und formte mit dem Mund ein erstauntes „Ooooh“. Erst in dem Moment begriff ich erschrocken, dass man mir das geglaubt hat. Aufklärung war also angesagt….

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[Link] Plädoyer im Ärzteblatt für breitere Psychotherapie-Forschung

[Aufgrund verschiedener Verbands-Aktivitäten, bei denen ich maßgeblich involviert bin, müssen die versprochenen Artikel leider noch ein bisschen warten. Damit es aber nicht langweilig wird, hier ein sehr lesenswerter Artikel von einem renommierten Psychologie-Professor]

„Wir brauchen eine Vielfalt an evidenzbasierter Psychotherapie“

In der Oktober-Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts plädiert Professor Falk Leichsenring für eine breitere Psychotherapie-Forschung. Er weist darauf hin, dass mit den drei von der Krankenkasse finanzierten Psychotherapieverfahren und medikamentösen Methoden vielen Patienten nicht geholfen werden kann und diskutiert die Problematik und die Gründe, dass sich beinahe die gesamte Psychotherapie-Forschung um Kurzzeittherapien mit bis zu 16 Stunden Länge (also eine Variante der Verhaltenstherapie) dreht.

Mir selbst ist aus dem Studium und Hospitationszeiten in psychotherapeutischen Einrichtungen die Verhaltenstherapie relativ vertraut. Ihre Stärke liegt ganz klar in den Skills, die sie den Patienten vermittelt und kann damit für viele Menschen eine Verbesserung ihrer Symptomatik erzielen. Die analytische Psychotherapie (neben der Psychoanalyse, dem dritten Richtlinienverfahren) ist mir natürlich aus meiner Ausbildung am C.G. Jung-Institut vertraut und hat ihre große Stärke unter Anderem in den Theorien zu Archetypen, Traumdeutung und im therapeutischen Sandspiel. Die analytische Therapie ist zwar ebenfalls als Verfahren anerkannt und wird von den Kassen übernommen, wird aber dramatisch weniger erforscht.

Andere Verfahren, beispielsweise die humanistische Psychotherapie, unter der sich Methoden wie Transaktionsanalyse, Körperpsychotherapie, Gestaltpsychotherapie oder Psychodrama vereinigen, haben in der universitären Forschung beinahe keine Chance; dabei bieten sie ebenfalls wunderbare Methoden, die für viele Menschen hilfreich sein könnten. Gerade für die, die mit den drei Richtlinienverfahren keine Erfolge erzielen konnten.
Leichsenring spricht diese anderen Verfahren in seinem Artikel nicht an, aber gerade hier wünsche ich mir eine weitere Öffnung.

Dennoch sehe ich diesen Artikel als einen wichtigen Wegweiser und freue mich, dass er im Ärzteblatt platziert wurde. In unserem Gesundheits- und Forschungssystem muss sich an dieser Stelle – zum Wohle der Hilfesuchenden! – grundlegend etwas ändern.

Nachtrag: An dieser Stelle gibt es sogar eine Bundestags-Petition mit dem Ziel, (zumindest) alle drei Richtlinienverfahren wieder in die universitäre Lehre und die Universitätsambulanzen einzubringen. Bisher sind 59 von 60 Lehrstühlen von Verhaltenstherapeuten besetzt – ein m.E. unhaltbarer Zustand. Ich freue mich, dass es jetzt sogar diese Bundestagspetition dazu gibt und ermutige sehr zur Unterzeichnung!