Sigmund Freuds Couch

Psychotherapeuten auf der Couch?

Na? Irritiert? Gut so! Und andererseits schade. Denn es zeigt, wie wenig bekannt es ist:

Psychotherapeuten gehen während ihrer Ausbildung selbst in Therapie.

Und das ist wichtig. Wie könnten wir denn anderen Menschen beim Erforschen ihrer inneren Landkarte, beim Bezwingen von Bergen und Durchschreiten von Tälern, helfen, wenn wir unsere eigene innere Landschaft nicht kennen? Auch wir haben Berge und Täler, sonnendurchflutete Wiesen und dunkle Höhlen. Und nur, wenn wir wissen, wie wir uns auf den verschiedenen Terrains bewegen müssen, können wir unseren Patienten als „Guide“ auf ihrem ganz eigenen Weg begleiten.

Ansonsten könnte es auch passieren, dass wir die innere Landschaft unseres Patienten mit unserer eigenen verwechseln und – sogar ohne es zu merken – uns selbst im Patienten versuchen zu therapieren. Außerdem sammeln wir natürlich eine ganze Reihe an wertvollen Erfahrungen:

Weiterlesen „Psychotherapeuten auf der Couch?“

Psycho-Psyche-Therapie feiert seinen „halbten“ Geburtstag! Wie geht’s weiter?

Hui, da hab‘ ich doch glatt verpasst, dass dieser Blog im Februar ein halbes Jahr alt geworden ist! Da wird es doch Zeit für eine Rück- und Vorschau.

Ein kleiner Rückblick auf dieses erste halbe „Lebens“jahr:

  • Insgesamt zählte WordPress über 700 Besucher auf meinem Blog
  • … mit über 2200 Klicks
  • Der Großteil der Leser kommt aus Deutschland, gefolgt von der Schweiz und Österreich,
  • allerdings hat der Blog auch schon Besucher aus (bzw. zumindest mit einer IP von) den Niederlanden, Malta, Indien, Kanada und einigen anderen Ländern gehabt
  • Die besucherreichsten Monate waren der September, der Februar und – obwohl erst fünf Tage jung – auch der März!! 🙂
  • Insgesamt wurden 41 Beiträge veröffentlicht
  • Die drei meistgelesenen Beiträge sind:
  1. Haben Sie eigentlich auch so Probleme wie normale Menschen?
  2.  Aus der Praxis 1 – Arbeit mit dem Systembrett
  3. Hänschen Klein – von ungesunden Bindungen und nötigen Ablösungen

Meine Wünsche und Vorhaben für das nächste halbe Jahr (und natürlich darüber hinaus…):

  • Aufklärung über und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen – hoffentlich auch mit eurer Hilfe!
  • Praxisnahe Einblicke in (meine) psychotherapeutische Arbeit ermöglichen
  • Euch von der humanistischen Psychotherapie (insbesondere der Transaktionsanalyse) und der analytischen Psychotherapie nach C.G. Jung berichten
  • Gedanken zu psychiatrischen Diagnosen, „Alltagsphänomenen“, Berufspolitik und manchem mehr teilen
  • Euch auf interessante Videos, Podcasts und Blogs aufmerksam machen
  • Mit euch ins Gespräch kommen! Stellt Fragen, kommentiert, … 🙂 Dialog ist mir ein großes Anliegen!

Umsetzen möchte ich gerne:

  • Eine Buchrezensions-Rubrik
  • Eine Interview-Rubrik
  • Verschiedene Blog-Paraden

Und, ganz wichtig: Was wünscht ihr euch vom Blog? Was interessiert euch, wovon hättet ihr gerne mehr? (Oder weniger?)

Schreibt es gerne in die Kommentare oder kontaktiert mich persönlich…

Bildquelle: Efraimstochter @ Pixabay (gekennzeichnet zur freien Nutzung)

[Link] Plädoyer im Ärzteblatt für breitere Psychotherapie-Forschung

[Aufgrund verschiedener Verbands-Aktivitäten, bei denen ich maßgeblich involviert bin, müssen die versprochenen Artikel leider noch ein bisschen warten. Damit es aber nicht langweilig wird, hier ein sehr lesenswerter Artikel von einem renommierten Psychologie-Professor]

„Wir brauchen eine Vielfalt an evidenzbasierter Psychotherapie“

In der Oktober-Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts plädiert Professor Falk Leichsenring für eine breitere Psychotherapie-Forschung. Er weist darauf hin, dass mit den drei von der Krankenkasse finanzierten Psychotherapieverfahren und medikamentösen Methoden vielen Patienten nicht geholfen werden kann und diskutiert die Problematik und die Gründe, dass sich beinahe die gesamte Psychotherapie-Forschung um Kurzzeittherapien mit bis zu 16 Stunden Länge (also eine Variante der Verhaltenstherapie) dreht.

Mir selbst ist aus dem Studium und Hospitationszeiten in psychotherapeutischen Einrichtungen die Verhaltenstherapie relativ vertraut. Ihre Stärke liegt ganz klar in den Skills, die sie den Patienten vermittelt und kann damit für viele Menschen eine Verbesserung ihrer Symptomatik erzielen. Die analytische Psychotherapie (neben der Psychoanalyse, dem dritten Richtlinienverfahren) ist mir natürlich aus meiner Ausbildung am C.G. Jung-Institut vertraut und hat ihre große Stärke unter Anderem in den Theorien zu Archetypen, Traumdeutung und im therapeutischen Sandspiel. Die analytische Therapie ist zwar ebenfalls als Verfahren anerkannt und wird von den Kassen übernommen, wird aber dramatisch weniger erforscht.

Andere Verfahren, beispielsweise die humanistische Psychotherapie, unter der sich Methoden wie Transaktionsanalyse, Körperpsychotherapie, Gestaltpsychotherapie oder Psychodrama vereinigen, haben in der universitären Forschung beinahe keine Chance; dabei bieten sie ebenfalls wunderbare Methoden, die für viele Menschen hilfreich sein könnten. Gerade für die, die mit den drei Richtlinienverfahren keine Erfolge erzielen konnten.
Leichsenring spricht diese anderen Verfahren in seinem Artikel nicht an, aber gerade hier wünsche ich mir eine weitere Öffnung.

Dennoch sehe ich diesen Artikel als einen wichtigen Wegweiser und freue mich, dass er im Ärzteblatt platziert wurde. In unserem Gesundheits- und Forschungssystem muss sich an dieser Stelle – zum Wohle der Hilfesuchenden! – grundlegend etwas ändern.

Nachtrag: An dieser Stelle gibt es sogar eine Bundestags-Petition mit dem Ziel, (zumindest) alle drei Richtlinienverfahren wieder in die universitäre Lehre und die Universitätsambulanzen einzubringen. Bisher sind 59 von 60 Lehrstühlen von Verhaltenstherapeuten besetzt – ein m.E. unhaltbarer Zustand. Ich freue mich, dass es jetzt sogar diese Bundestagspetition dazu gibt und ermutige sehr zur Unterzeichnung!