Aus der Praxis 2: Wie deutet man Träume? – 8 Schritte zum Ziel

In der Rubrik „Aus der Praxis“ möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Ein gemütlicher Abend in einer ruhigen Bar; gemeinsam mit Freunden genieße ich ein leckeres Getränk. Ein Teelicht flackert langsam vor sich hin, die Eiswürfel klackern beim Umrühren im Glas und das Gespräch fällt auf das Thema „Träume“. „Sag mal, du als Psychologin, wie machst du das mit der Traumdeutung?“.

Erstmal vorweg: ein festes Ablaufschema gibt es nicht; jeder Traum ist anders, jeder Träumer ist anders, jedes (psychotherapeutische) Gespräch ist anders. Prinzipiell gehe ich allerdings so vor:

1) Ich frage den Träumer zuerst, was er selbst im Traum empfunden hat. Angst, Freude, Neugierde, Wut…? … und ob es sich im Verlauf des Traums verändert hat. Das gibt erste Hinweise auf die „emotionale“ Struktur des Traums, gegebenenfalls auf Wendepunkte oder Bruchstellen.

2) Danach erkundige ich mich gleich nach den eigenen Ideen / Assoziationen des Träumers. Damit stoße ich gelegentlich auf Verwirrung – „ich komme doch, damit SIE mir sagen, was das bedeutet!“. Die ersten spontanen Assoziationen zu einem Traum sind allerdings häufig eine wertvolle Spur, auch wenn sie im ersten Moment völlig abstrus anmuten.

Weiterlesen…

Psycho-Psyche-Therapie feiert seinen „halbten“ Geburtstag! Wie geht’s weiter?

Hui, da hab‘ ich doch glatt verpasst, dass dieser Blog im Februar ein halbes Jahr alt geworden ist! Da wird es doch Zeit für eine Rück- und Vorschau.

Ein kleiner Rückblick auf dieses erste halbe „Lebens“jahr:

  • Insgesamt zählte WordPress über 700 Besucher auf meinem Blog
  • … mit über 2200 Klicks
  • Der Großteil der Leser kommt aus Deutschland, gefolgt von der Schweiz und Österreich,
  • allerdings hat der Blog auch schon Besucher aus (bzw. zumindest mit einer IP von) den Niederlanden, Malta, Indien, Kanada und einigen anderen Ländern gehabt
  • Die besucherreichsten Monate waren der September, der Februar und – obwohl erst fünf Tage jung – auch der März!! 🙂
  • Insgesamt wurden 41 Beiträge veröffentlicht
  • Die drei meistgelesenen Beiträge sind:
  1. Haben Sie eigentlich auch so Probleme wie normale Menschen?
  2.  Aus der Praxis 1 – Arbeit mit dem Systembrett
  3. Hänschen Klein – von ungesunden Bindungen und nötigen Ablösungen

Meine Wünsche und Vorhaben für das nächste halbe Jahr (und natürlich darüber hinaus…):

  • Aufklärung über und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen – hoffentlich auch mit eurer Hilfe!
  • Praxisnahe Einblicke in (meine) psychotherapeutische Arbeit ermöglichen
  • Euch von der humanistischen Psychotherapie (insbesondere der Transaktionsanalyse) und der analytischen Psychotherapie nach C.G. Jung berichten
  • Gedanken zu psychiatrischen Diagnosen, „Alltagsphänomenen“, Berufspolitik und manchem mehr teilen
  • Euch auf interessante Videos, Podcasts und Blogs aufmerksam machen
  • Mit euch ins Gespräch kommen! Stellt Fragen, kommentiert, … 🙂 Dialog ist mir ein großes Anliegen!

Umsetzen möchte ich gerne:

  • Eine Buchrezensions-Rubrik
  • Eine Interview-Rubrik
  • Verschiedene Blog-Paraden

Und, ganz wichtig: Was wünscht ihr euch vom Blog? Was interessiert euch, wovon hättet ihr gerne mehr? (Oder weniger?)

Schreibt es gerne in die Kommentare oder kontaktiert mich persönlich…

Bildquelle: Efraimstochter @ Pixabay (gekennzeichnet zur freien Nutzung)

Traumsymbole Träume Bedeutung Traumdeutung C.G. Jung

[Träume] Auf der Suche nach einer seriösen (Traum-)Symboldatenbank?

Immer wieder stoße ich im Netz auf Seiten, die sich mit Traumdeutung befassen; finde in Foren und sozialen Netzwerken Links auf zum Teil dubiose Inhalte, die mehr an ein Horoskop als an eine seriöse Informationsseite erinnern. Gibt es kostenlos überhaupt etwas Brauchbares? (Achtung – auch in kostenpflichtigen Angeboten / Büchern findet man oft Quacksalberei)

Empfehlen kann ich Symbolonline; geschrieben von Psychotherapeuten, die nach C.G. Jung ausgebildet worden sind. Die jungianische Psychologie beschäftigt sich eingehend mit Symbolik und hat auf dieser Seite eine Vielzahl an Traumsymbolen zusammengetragen und ausführlich erklärt – kostenlos und jederzeit zugreifbar :

https://symbolonline.de/

Anders als auf manch anderer Seite wird man hier kein „wenn du im Traum das siehst, dann bedeutet das das“ finden, sondern eine Vielzahl an möglichen Interpretationen, die auf die eigene Situation hin angepasst werden müssen. Die spannende Herausforderung, den Brückenschlag zum eigenen Leben und der vielleicht gemeinten Gegebenheit zu finden, bleibt uns hier zum Glück erhalten! [Alles Andere ist ohnehin unseriös und schlicht falsch]

Ich persönlich stöbere dort sehr gerne und lerne immer wieder etwas Neues über Traumsymbole dazu….

Mehr lesen zum Thema „Träume“?

Hilfeschrei aus dem Traum
Sind Träume nur Schäume?
Aus der Praxis 2: Wie deutet man Träume? 8 Schritte zum Ziel

Bildnachweis: (c) Gozitano, Dreamcatcher in the sky, Helligkeits-, Kontrast- und Farbtonveränderung von Jeca (Psychologik), CC BY-SA 4.0

Hinweis: neue Seite „Blogs von Menschen mit psychischer Erkrankung“

Liebe Leser, vielleicht hat es mancher schon gesehen: Ich habe eine neue Seite oben im Menü: „Blogs von Menschen mit psychischer Erkrankung“ . Dort möchte ich gerne Blogs von Betroffenen oder Angehörigen verlinken, die über das Leben mit einer Erkrankung bzw. die Erkrankung selbst bloggen. Untereinander sind viele von euch ja gut vernetzt, soweit ich das mitbekomme. Allerdings habe ich auch einige professionelle Leser (Psychologie-Studenten, Therapeuten, …), die sich in dieser speziellen Blog-Szene wahrscheinlich nicht so gut auskennen und von einer solchen Liste sicher profitieren könnten. Und vielleicht ist ja für die „Vernetzten“ auch noch das Ein oder Andere neue dabei… 🙂 Mit euren Blogs leistet ihr nämlich einen großen Beitrag zum Verständnis! Es ist schön, eure Wege und Gedanken mitverfolgen zu können.

Wenn ihr Interesse daran habt, mit eurem Blog dort aufgenommen zu werden, kontaktiert mich doch am besten mit Nennung der Kategorie(n), in der/denen ihr erscheinen möchtet, dann nehme ich euch auf.
Über eine Verlinkung auf eurem Blog freue ich mich, aber sie ist natürlich keine Bedinung zur Aufnahme.

Allen in den letzten Tagen hinzugekommenen neuen Lesern an dieser Stelle noch ein herzliches Willkommen! Schön, dass ihr da seid!

Aus der Praxis 1 – Arbeit mit dem Systembrett

Heute möchte ich eine ganz neue Rubrik eröffnen: „Aus der Praxis“. In diesen Beiträgen möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Die Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Starten möchte ich mit einer meiner neusten Errungenschaften: dem System- bzw. Familienbrett. Wie es im Namen schon anklingt, handelt es sich hierbei um einen Ansatz aus der systemischen Therapie (ich selbst bin allerdings keine ausgebildete Systemikerin). Ziel ist es, Beziehungen und Konstellationen auf einfache und prägnante Weise sichtbar zu machen.

Dazu stehen Holzfiguren in verschiedenen Farben zur Verfügung. Die Farben sorgen nicht nur für bessere Identifizierbarkeit, sondern auch für die Möglichkeit, die eigene Gefühlsbesetzung gegenüber der anderen Person zum Ausdruck zu bringen. Bei meinen Figuren sind kleine Punkte als Augen aufgezeichnet, um die Darstellung einer Blickrichtung zu ermöglichen.

Durch das Aufstellen von Figuren auf einem Brett wird das, was bisher oft nur in Gedanken oder gar auf einer nicht versprachlichten Ebene vorhanden ist, sichtbar und erlebbar; gleichzeitig ist eine Distanzierung vom Geschehen und ein „Blick von oben“ möglich. Dadurch eröffnen sich häufig neue Lösungsansätze, die immer wieder überraschend kreativ sind.

Fallbeispiel:
Sarah, Studentin, 20 Jahre alt. Vertrauensvolle Beziehung zur Mutter und kleinen Schwester; der Vater aufgrund einer psychischen Erkrankung häufig aggressiv und destruktiv. Sarah lebt relativ einsam und leidet sehr unter dem Vater (obwohl sie ihn selten sieht); kann sich innerlich wenig distanzieren. Vor Kurzem hat sie einen jungen Mann kennen gelernt, zu dem sich langsam eine (Liebes-)Beziehung entwickelt. Sarah stellt folgende Situation auf:


Systembrett, Familienbrett

(Grün: Sarah —– Holzfarben: Mutter & Schwester —– Schwarz: Vater —– Weiß: neue Beziehung)

Deutlich wird die enge Beziehung zur Kernfamilie (Mutter, Schwester und Vater). Die Spannung zwischen der grünen Figur, die Sarah repräsentiert, und der schwarzen Figur, welche den Vater repräsentiert, liegt förmlich in der Luft.

Es kommt zu etwa folgendem Dialog:

Weiterlesen…
Gänseblümchen des Monats

Gänseblümchen des Monats – Januar & Februar

Und schon sind die ersten zwei Monate des Jahres wieder vorbei! In Erinnerung sind mir unter Anderem folgende Gänseblümchen geblieben:

  • Ich habe meine psychotherapeutische Arbeit in einer Jugendwohngruppe begonnen!
  • Der Schnee im Januar hat mir gut gefallen; am Frühlingswetter der letzten Tage habe ich mich ebenfalls sehr gefreut und bereits begonnen, meinen Balkon etwas vorzubereiten…
  • Ich habe jetzt Urlaub!
  • Die Vorfreude auf den Urlaub hat mir nochmal Schwung gegeben, wodurch nun schon einige neue Posts in den Startlöchern stehen…
  • Kürzlich ist mein Familien- bzw. Systembrett angekommen. Ich werde morgen in meiner neuen Rubrik „Aus der Praxis“ darüber berichten.
  • Ich habe das Lesen nach einiger Zeit wieder für mich entdeckt. Momentan lese ich mich durch Dora Kalffs Buch zur Sandspieltherapie. Wenn ich fertig bin, werde ich hier auch ein paar Zeilen dazu schreiben…
  • Von meinem schönen Erlebnis bei der Suchtprävention in einer Hauptschulklasse habe ich ja schon hier berichtet.
  • Es haben sich eine ganze Menge neuer Follower hier eingefunden! 🙂

Die Idee der Gänseblümchen der Woche habe ich von Annie von Hoffnungsschein, die hier ein wenig darüber schreibt.

Schönes Wochenende zusammen!

Bild: Lupus in Saxonia, Gänseblümchen – Ehrenpreis Für Dinge die zwar Klein – aber doch Großartig sind!, CC BY-SA 4.0

Von der Tendenz, wertvolle Momente der Begegnung zu zerstören

Kürzlich stieß ich auf diesen Comic von Sarah Andersen, die es oft vortrefflich versteht, eine Begebenheit in ein passendes Bild umzuwandeln:

Quelle: http://sarahcandersen.com/

Hier geht es also konkret darum, einen Moment besonderer Nähe durch eine unpassende Aktion zu beenden. In diesem Fall durch einen schlechten Witz; genausogut könnte man ein Missgeschick produzieren: das Getränk verschütten, stolpern, sich verschlucken, ….
Das Tückische ist ja nun, dass wir das bewusst überhaupt nicht wollen. Die Frau im Comic macht sich im dritten Bild schon große Sorgen, dass ihr Gehirn den Moment durch das „Abwerfen“ des schlechten Witzes zerstört – was dann auch eintrifft. Wie können wir das verstehen?

Weiterlesen „Von der Tendenz, wertvolle Momente der Begegnung zu zerstören“

Quick! Scroll endlessly through social media!


http://theawkwardyeti.com

Social media können für viele Menschen eine Bereicherung des Alltags und des Soziallebens sein – wenn sie in Maßen genutzt werden. Häufig geschieht allerdings, was oben dargestellt ist: social media eigenen sich vortrefflich, um eigene Gefühle nicht wahrnehmen zu müssen. Durch das Smartphone haben wir in jedem Moment unseres Tages die Möglichkeit, uns sofort und sehr erfolgreich von uns und unseren Gefühlen weg zu bewegen. Im ersten Moment sorgt das für schnelle Abhilfe; wir müssen uns mit dem aufkommenden Gefühl nicht beschäftigen. „Los“ werden wir es dadurch allerdings nur in den seltensten Fällen und langfristig werden wir unausgeglichen; schlimmstenfalls sogar depressiv.
Durch die ständige Verfügbarkeit von social media sind wir – viel mehr als früher – der ständigen Versuchung ausgesetzt, uns für den vermeintlich einfachen Weg zu entscheiden: einfach nicht zu fühlen. Einfach ablenken.

Mir gefällt an der Darstellung durch theAwkwardYeti, dass das Herz eigentlich weiß, dass es sich hierbei um keine gute Strategie handelt; im Gegenteil, eigentlich möchte es das Gefühl sogar fühlen dürfen. Unser Gehirn ist allerdings sehr erfolgreich darin, uns Gefühlsregungen zu verbieten. Häufig geschieht das dadurch, dass wir uns nicht in der Lage fühlen, adäquat mit dem Gefühl umzugehen. Was mache ich denn mit der Wut? Habe ich gelernt, wie ich sie nicht-destruktiv, vielleicht sogar konstruktiv, ausleben kann? Was tue ich denn, wenn ich traurig bin? Habe ich innere Anteile, die mich dann trösten können? Oder falle ich sofort in ein Loch? Es ist also ein haltender Rahmen nötig, um uns unseren Gefühlen zu stellen.

Weiterlesen „Quick! Scroll endlessly through social media!“

„Haben Sie auch so Probleme wie normale Menschen?“

Kürzlich habe ich in einer Hauptschulklasse (Alter der Schüler: zwischen 16 und 19) einen Suchtpräventionsvortrag zum Thema „Computerspiele“ gehalten. Ich hatte mich als Psychologin vorgestellt, woraufhin sich in etwa Folgendes abspielte:

Schüler 1: „Boah krass… also Sie sind so… Psycho…was? Psychologin? Boah… dann können Sie mich jetzt so voll analysieren und so, wie ich mich beweg und was ich eigentlich mein und so, oder? Und was ich so denk? Kann man Sie dann gar nicht anlügen??“

Das erinnerte mich ein wenig an die Begegnung mit der älteren Dame, von der ich hier berichtet habe. Eigentlich hätte ich diese ehrfürchtige Vorstellung ja erstmal bestätigen und erst am Schluss auflösen sollen, aber die Klasse hatte bis dahin so gut mitgemacht, dass ich mich getraut habe, mich zu „outen“. 😉

Auch dieser Schüler schien einerseits erleichtert, aber andererseits auch ein wenig enttäuscht, als ich ihm mitteilte, dass das nur Klischees sind. Natürlich haben wir durch unsere lange Ausbildung und durch unsere Berufserfahrung gewisse Fähigkeiten entwickelt und können eher korrekte Hypothesen aufstellen als Laien, aber es bleiben dennoch Hypothesen, die wir nur im Verlauf einer Behandlung prüfen können.
Klasse war dann auch noch Schüler 2, der den Titel für diesen Beitrag lieferte:

Weiterlesen…

[Link] Johannes – einfühlsame Langzeitreportage über ein Kind mit Autismus

Kürzlich habe ich in der ARD-Audiothek eine wunderbare Langzeitreportage angehört, die ich gerne weiterempfehlen möchte. Die Journalistin ist die Tante von Johannes, dem Kind, das in der Reportage begleitet wird. Einfühlsam und aus der besonderen Perspektive einer nahen Verwandten spricht sie mit den Eltern, die nach Johannes‘ schwerem Start ins Leben zuerst gar nicht einordnen können, wie sich ihr Sohn entwickelt. Auch Johannes selbst kommt im Verlauf dieser Jahre zu Wort. Eine Reportage, die mir ans Herz ging.

Vielleicht was fürs Wochenende oder die nächste Autofahrt?

Hier kann man den etwa 50-minütigen Beitrag anhören und herunterladen.