Sigmund Freuds Couch

Therapeuten sind auch (nur) Menschen – Impressionen aus einer besonderen Fortbildung

Nachdem der „Haben Sie auch so Probleme wie normale Menschen?“-Artikel so großen Anklang gefunden hat, möchte ich euch heute einen weiteren Einblick in die Menschlichkeit von uns psychotherapeutisch Tätigen geben. 🙂 Eine kleine Erzählung über (geteilte) Freud und (geteiltes) Leid in einer besonderen Fortbildung.

Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit, an einer ganz wunderbaren Fortbildung teilzunehmen. Im Gegensatz zu den „klassischen“ Kongressen, zu denen (mehr oder minder…) hochkarätige Experten eingeladen werden, die zu bestimmten Themen referieren oder Fortbildungen, die von einem Seminarleiter geleitet werden, hat sich hier eine Gruppe an Therapeuten zusammen gefunden und auf eigene Faust ein kleines Symposium organisiert. Die Idee war: jeder therapeutisch Tätige hat irgendetwas Besonderes, das er mit den Anderen teilen kann, wofür er allein Experte ist.

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Aus der Praxis 3 – Setz‘ dich! – Entscheidungsfindung mal anders

In der Rubrik „Aus der Praxis“ möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Wer kennt es nicht – eine Entscheidung zwischen zwei oder mehr Dingen ist zu treffen! Man hat womöglich akribisch eine Pro- und Contra-Liste erstellt, sich das Hirn zermartert, aber irgendwie kommt man der Entscheidung doch nicht näher. Na? Wem kommt das bekannt vor?

Wie ihr vielleicht wisst, arbeite ich unter Anderem in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme. Dort habe ich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, die vor der großen Entscheidung stehen, welchen Beruf sie später einmal ausüben möchten. Häufig kommt es dann vor, dass ich mit dieser Fragestellung aufgesucht werde.


Fallbeispiel: Micha

Micha ist 18 Jahre alt und ein sozialer Typ. „Was mit Menschen“ möchte er gerne machen und hat sich nach diversen Praktika am wohlsten in einem Kindergarten und in einem Altenpflegeheim gefühlt. Er hat sich bereits gut informiert und Listen angefertigt: Beide Berufe haben Vor- und Nachteile bezüglich der Berufsschule, der Entlohnung, der Arbeitszeiten und vielem mehr und halten sich über alles gemittelt die Waage.

„Ich eier‘ da schon länger rum“, sagt er, „und irgendwie blockiert mich das total. Ich weiß nicht weiter. Haben Sie eine Idee?“

Ja, hab ich. 🙂

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Aus der Praxis 2: Wie deutet man Träume? – 8 Schritte zum Ziel

In der Rubrik „Aus der Praxis“ möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Ein gemütlicher Abend in einer ruhigen Bar; gemeinsam mit Freunden genieße ich ein leckeres Getränk. Ein Teelicht flackert langsam vor sich hin, die Eiswürfel klackern beim Umrühren im Glas und das Gespräch fällt auf das Thema „Träume“. „Sag mal, du als Psychologin, wie machst du das mit der Traumdeutung?“.

Erstmal vorweg: ein festes Ablaufschema gibt es nicht; jeder Traum ist anders, jeder Träumer ist anders, jedes (psychotherapeutische) Gespräch ist anders. Prinzipiell gehe ich allerdings so vor:

1) Ich frage den Träumer zuerst, was er selbst im Traum empfunden hat. Angst, Freude, Neugierde, Wut…? … und ob es sich im Verlauf des Traums verändert hat. Das gibt erste Hinweise auf die „emotionale“ Struktur des Traums, gegebenenfalls auf Wendepunkte oder Bruchstellen.

2) Danach erkundige ich mich gleich nach den eigenen Ideen / Assoziationen des Träumers. Damit stoße ich gelegentlich auf Verwirrung – „ich komme doch, damit SIE mir sagen, was das bedeutet!“. Die ersten spontanen Assoziationen zu einem Traum sind allerdings häufig eine wertvolle Spur, auch wenn sie im ersten Moment völlig abstrus anmuten.

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Aus der Praxis 1 – Arbeit mit dem Systembrett

Heute möchte ich eine ganz neue Rubrik eröffnen: „Aus der Praxis“. In diesen Beiträgen möchte ich euch ermöglichen, mir über die Schulter zu schauen und Einblicke zu bekommen, wie ich konkret arbeite und welche Hilfsmittel ich dafür nutze. Die Fallbeispiele sind aus Datenschutzgründen selbstverständlich stark verfremdet.

Starten möchte ich mit einer meiner neusten Errungenschaften: dem System- bzw. Familienbrett. Wie es im Namen schon anklingt, handelt es sich hierbei um einen Ansatz aus der systemischen Therapie (ich selbst bin allerdings keine ausgebildete Systemikerin). Ziel ist es, Beziehungen und Konstellationen auf einfache und prägnante Weise sichtbar zu machen.

Dazu stehen Holzfiguren in verschiedenen Farben zur Verfügung. Die Farben sorgen nicht nur für bessere Identifizierbarkeit, sondern auch für die Möglichkeit, die eigene Gefühlsbesetzung gegenüber der anderen Person zum Ausdruck zu bringen. Bei meinen Figuren sind kleine Punkte als Augen aufgezeichnet, um die Darstellung einer Blickrichtung zu ermöglichen.

Durch das Aufstellen von Figuren auf einem Brett wird das, was bisher oft nur in Gedanken oder gar auf einer nicht versprachlichten Ebene vorhanden ist, sichtbar und erlebbar; gleichzeitig ist eine Distanzierung vom Geschehen und ein „Blick von oben“ möglich. Dadurch eröffnen sich häufig neue Lösungsansätze, die immer wieder überraschend kreativ sind.

Fallbeispiel:
Sarah, Studentin, 20 Jahre alt. Vertrauensvolle Beziehung zur Mutter und kleinen Schwester; der Vater aufgrund einer psychischen Erkrankung häufig aggressiv und destruktiv. Sarah lebt relativ einsam und leidet sehr unter dem Vater (obwohl sie ihn selten sieht); kann sich innerlich wenig distanzieren. Vor Kurzem hat sie einen jungen Mann kennen gelernt, zu dem sich langsam eine (Liebes-)Beziehung entwickelt. Sarah stellt folgende Situation auf:


Systembrett, Familienbrett

(Grün: Sarah —– Holzfarben: Mutter & Schwester —– Schwarz: Vater —– Weiß: neue Beziehung)

Deutlich wird die enge Beziehung zur Kernfamilie (Mutter, Schwester und Vater). Die Spannung zwischen der grünen Figur, die Sarah repräsentiert, und der schwarzen Figur, welche den Vater repräsentiert, liegt förmlich in der Luft.

Es kommt zu etwa folgendem Dialog:

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