„Wort zum Sonntag“ – Verzicht

Im Gegensatz zu den meisten anderen Artikeln wird das einer, den ich am selben Tag schreibe und veröffentliche. Es brennt mir nun einfach unter den Nägeln. Verzeiht also bitte stilistische Ecken und Kanten. 😉 (Wobei ich manche auch ganz bewusst eingebaut habe…) Und ein klein wenig off-topic – oder zumindest „rand-topic“ – ist es auch noch…
An der Stelle allerdings noch ein herzliches Willkommen den neuen Followern! Schön, dass ihr da seid! Ich hoffe, ich verschrecke euch mit dem Artikel nicht gleich. 😉

In den letzten Monaten habe ich viel Zeit mit Nachdenken verbracht, auch darüber, was verantwortungsbewusstes Leben bedeutet. Ein Begriff, auf den man dabei immer wieder stößt, ist der des Verzichts. Dabei beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass einem der Verzicht schmackhaft gemacht werden soll. Es wimmelt in Zeitschriften, Kolumnen und dem Fernsehen von Stimmen, die berichten, wie gut ihnen der Verzicht auf xy tut, dass es sich vielmehr um eine Befreiung als um eine Einschränkung handelt, oft werden sogar alternative Begriffe verwendet, denn „Verzicht“ klingt einfach nicht so attraktiv.

Versteht mich nicht falsch – ich bin der tiefen Überzeugung, dass wir nur mittels Verzicht eine Chance haben, die Erde als lebenswerten Ort zu erhalten. Was mich ärgert, ist vielmehr die Art, wie es uns „verkauft“ wird. Nämlich so, dass es mir persönlich nur gut tut, wenn ich auf xy verzichte, dass ich selbst schlussendlich nur einen Gewinn davon habe, mich freier und leichter und „wer weiß was alles“ fühle. Schlussendlich verzichte ich also gar nicht, ich gewinne immer nur. Ich glaube aber nicht, dass das so ist.

Verzicht ist manchmal einfach unbequem!

Wenn ich mich in einen proppvollen, überhitzten und verspäteten Bus quetsche um zum nächsten Termin zu hetzen und dafür auch noch viel mehr Geld bezahle, als wenn ich in meinem klimatisierten Auto vor der Tür parke, dann habe ich keinen Gewinn davon. Höchstens für mein Gewissen und für unseren Planeten, indem ich ein ganz klein wenig weniger CO2 ausgestoßen habe. Aber ehrlich, ich bin dann trotzdem genervt und fühle mich verschwitzt und verärgert und in keinster Weise frei und leicht und „wer weiß was alles“. Und das ist doch okay! Ich mache es trotzdem (zugegebenermaßen nicht immer). Aber bitte verkauft mir doch nicht, dass es mir damit persönlich besser geht. Das tut es nicht. Und das muss es auch nicht.

Ich finde, wir müssen von dem hohen Ross herunter kommen, dass uns alles zusteht. Dass wir ein Recht auf jegliche Bequemlichkeit, jeglichen Luxus, jedes Konsumgut, haben. Dass wir überall gewesen sein müssen, alles gesehen und gemacht haben müssen, alles besitzen und alles konsumieren zu müssen. Ich ärgere mich darüber, dass das kaum einer ausspricht. Dass uns Verzicht wieder als Aufwertung unseres Lebens verkauft wird. Das mag an vielen Stellen auch tatsächlich so sein, aber nicht an allen. Und das kommt überhaupt nicht in den Diskurs – weil wir es auch nicht hören wollen.

Konfrontation mit der Realität

Spätestens dann aber, wenn wir ernsthaft erkranken, sind wir mit der Realität konfrontiert, dass wir sowieso nicht alles haben und beeinflussen können. Wir haben kein Recht darauf, gesund zu sein. Wir haben kein Recht darauf, immer glücklich zu sein.
Eine an unheilbarem Krebs erkrankte Frau erzählte einmal, dass man oft zu ihr sage: „Warum du??“ und sie darauf immer antworte mit: „Warum nicht ich?“. Das hat mich zutiefst beeindruckt.

Ich glaube, unserem Planeten ist dann wirklich geholfen, wenn wir lernen, dass auch das Unbequeme zu unserem Leben dazugehört. Dass es dazu gehört, nicht alles zu haben und dass das eben auch unangenehm ist. Aber es gehört dazu. Und wenn wir darin die Fülle des Lebens entdecken können, in den schönen wie auch den unbequemen Seiten und uns unserer Verantwortung für diesen Planeten bewusst werden, dann leben wir wirklich und können auch getrost verzichten. Auch, wenn es mal unbequem ist.

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2 Gedanken zu “„Wort zum Sonntag“ – Verzicht

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