[Ich hab da mal ne Frage] Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? (2)

Von Himmelsstürmer stammt diese spannende Frage, von der ich einige Aspekte schon im ersten Teil des Artikels aufgegriffen habe:

Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? Du erkennst sicher oft schnell den Knotenpunkt, aber wie hältst du es aus, ihn nicht gleich damit zu konfrontieren und ihn herauszufordern, einen Schritt zu machen? Wie findest du das richtige Tempo, um ihn zu fordern, aber nicht zu überfordern? Fällt es dir leicht, dich zurück zu halten, auch wenn du schon von Anfang an siehst, wo das Problem liegt? Gibst du auch mal Dinge vor oder versuchst du ihn alles selbst entdecken zu lassen, auch, wenn es länger dauert? Bist du eher ein Führer oder ein Begleiter? Hoffe du verstehst, worauf ich hinaus will? Vielen Dank schonmal!

Hier nun die restlichen Fragen mit Antworten:

  • Wie findest du das richtige Tempo, um ihn zu fordern, aber nicht zu überfordern?
    Das Tempo gibt mein Gegenüber vor durch das, was er/sie in die Stunde mitbringt. Ich plane Sitzungen fast nie im Voraus; höchstens eine einzelne Intervention, wenn ich beispielsweise etwas aus der vergangenen Stunde aufgreifen möchte.
  • „Gibst du auch mal Dinge vor oder versuchst du ihn alles selbst entdecken zu lassen, auch, wenn es länger dauert?
    Ich teile, wo ich es sinnvoll finde, meine Gedanken -auch zur Psychodynamik- mit (siehe „Wie hältst du’s mit der Transparenz?“). Ich will ja niemanden im Dunkeln tappen lassen. Ich sehe eine therapeutische Arbeit aber generell eher als eine gemeinsame Entdeckungsreise an – ich weiß am Anfang ja auch noch nicht, wo wir rauskommen. Mein Vorteil ist nur der, dass ich einen Kompass und eine Karte habe. Manchmal verändert sich das Reiseziel während der Therapie ja auch. Sogar meistens. 😉
  • „Bist du eher ein Führer oder ein Begleiter?“
    Das kommt auf den Patienten und die Situation an. Wenn mir jemand mit einer eher abhängigen Persönlichkeitsstruktur gegenübersitzt oder jemand, der sich selber ständig verzettelt und wenig strukturiert ist, sehe ich es als meine Aufgabe, ein Hilfs-Ich zur Verfügung zu stellen. Transaktionsanalytisch gesprochen (das ist ja meine therapeutische Heimat) könnte man sagen, dass ich bei Patienten, die eher in ihrem Kind-Ich verhaftet sind, mehr erwachsene und vielleicht auch elterliche Anteile von mir zur Verfügung stelle mit dem Ziel, nach und nach eine „Nachreifung“ der Persönlichkeit zu erreichen.
    Wenn jemand allerdings ziemlich Ich-stabil ist, sehe ich mich eher in der Rolle einer Begleiterin.

Hast du auch eine Frage? Stelle sie gern in den Kommentaren oder schreibe mir eine Mail – ich verspreche, zu jeder Frage einen Antwort-Beitrag zu verfassen. 🙂

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3 Gedanken zu “[Ich hab da mal ne Frage] Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? (2)

  1. Hey, vielen Dank für Antworten Teil 2! 🙂
    Interessant, dass du keine Stunde vorplanst…ich hab das neulich auch mit meiner Therapeutin besprochen, weil ich manchmal so benebelt und durcheinander fühle und gar nicht weiß, was ich einbringen will. Es stresst mich dann im Vorfeld, zu wissen, dass die Stunde davon abhängt, was ich jetzt gleich sagen werde. Wünsche mir immer, mein Gegenüber guckt dann in meinen Kopf und sagt mir, was jetzt zu tun ist. Was machst du, wenn dein Klient nichts erzählt oder nicht weiß, was er sagen soll?

    Gefällt 1 Person

    1. Huhu,

      das fällt für mich unter die Kategorie „Hilfs-Ich-zur-Verfügung-Stellen“. 🙂 Natürlich kann ich dann trotzdem nicht in den Kopf meines Gegenübers gucken und sehen, was jetzt „dran“ ist. Manchmal ist das „Vernebeltsein“ ja auch ein wichtiges Zeichen, insbesondere, wenn du zu Hause „klar“ bist. Dann würde ich gemeinsam mit dir (bzw. Beispielklient X) versuchen, dieses Vernebeltsein nach und nach zu verstehen, welche Funktion es vielleicht auch hat und wie wir künftig damit umgehen können.
      Darf ich aus der „Was machst du, wenn dein Klient nichts erzählt oder nicht weiß, was er sagen soll?“-Frage einen extra Artikel machen?

      Gefällt 1 Person

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