[Ich hab da mal ne Frage] … Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? (1)

Von Himmelsstürmer stammt die heutige spannende Frage:

Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? Du erkennst sicher oft schnell den Knotenpunkt, aber wie hältst du es aus, ihn nicht gleich damit zu konfrontieren und ihn herauszufordern, einen Schritt zu machen? Wie findest du das richtige Tempo, um ihn zu fordern, aber nicht zu überfordern? Fällt es dir leicht, dich zurück zu halten, auch wenn du schon von Anfang an siehst, wo das Problem liegt? Gibst du auch mal Dinge vor oder versuchst du ihn alles selbst entdecken zu lassen, auch, wenn es länger dauert? Bist du eher ein Führer oder ein Begleiter? Hoffe du verstehst, worauf ich hinaus will? Vielen Dank schonmal!

Hier sind so viele einzelne Fragen und Aspekte, dass ich mich zu einem „Punkte-Beitrag“ in zwei Teilen entschieden habe. 🙂 Hier also der erste Teil mit den ersten Punkten:

  • „Du erkennst sicher oft schnell den Knotenpunkt (…)“
    Ich sehe häufig ein Verhaltensmuster oder vermute eine Persönlichkeitsstruktur, die mit dem Anliegen des Patienten etwas zu tun haben könnte. Aber insbesondere mit meinen Hypothesen zur Psychodynamik, also zur „Ursache“ dieses Verhaltens / der Persönlichkeitsstruktur, kann ich völlig daneben liegen. Da bin ich selbst immer auf dem Weg und muss meine Hypothesen ständig prüfen, ob sie mit neuen Informationen zusammen passen. Ich habe in keinster Weise die Phantasie, da quasi „allwissend“ zu sein.
  • „…aber wie hältst du es aus, ihn nicht gleich damit zu konfrontieren und ihn herauszufordern, einen Schritt zu machen?“
    Je nachdem, wie ich den Patienten einschätze (siehe unten), melde ich ein Verhalten durchaus zurück bzw. „konfrontiere“ damit (ich mag das Wort nicht so gerne, weil es so nach „Front“ klingt und das ist finde ich keine gute Grundlage für eine therapeutische Beziehung…).
    Der Schritt und der Wunsch zu einer Veränderung muss aus dem Patienten selber kommen; wenn er von mir kommt, ist das keine echte Veränderung und führt eher in Abhängigkeit. Ich verstehe meine Aufgabe schlussendlich darin, mich überflüssig zu machen.
  • Fällt es dir leicht, dich zurück zu halten, auch wenn du schon von Anfang an siehst, wo das Problem liegt?
    Wie schon geschrieben, ich bin da eher demütig unterwegs. Ich habe eine Idee, wo das Problem liegen könnte, mit etwas Glück bin ich mir auch ziemlich sicher, aber wirklich wissen kann ich es nicht. Aber klar, ich habe auch ungeduldige Anteile in mir, die schneller voran kommen wollen und die kleinen Schritte, die vielleicht schon passieren, gar nicht wahrnehmen. Und ich weiß ja auch aus eigener Erfahrung, dass Prozesse manchmal einfach lange dauern und sicher habe ich meinen Lehrtherapeuten und Lehranalytikern da auch so manches Mal einiges an Geduld abverlangt. 😉 Das gehört zum Job eben auch dazu. 😀 Ich erinnere mich da insbesondere an eine Sache: Das „Problem“ und die „Ursache“ waren mir weitestgehend schon einige Jahre bekannt; irgendwann war ich innerlich reif, dann einen „großen Schritt“ zu wagen und teilte diesen freudig einer Kollegin und Freundin mit. Diese hob daraufhin ihr Bierglas, prostete mir zu und sagte lachend: „Na ENDLICH!! Wurde auch mal Zeit!“… Ja, es wurde Zeit. Und davor eben noch nicht. Und das stehe ich auch meinen Patienten zu. Die ungeduldigen Anteile in mir müssen sich solange eben anderweitig beschäftigen. 😉

Der zweite Teil dieses Artikels wird in den kommenden Tagen veröffentlicht… 🙂

Hast du auch eine Frage? Stelle sie gern in den Kommentaren oder schreibe mir eine Mail – ich verspreche, zu jeder Frage einen Antwort-Beitrag zu verfassen. 🙂

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Ein Gedanke zu “[Ich hab da mal ne Frage] … Wie schaffst du es, die Balance zu finden zwischen Herausfordern und Akzeptieren? (1)

  1. Hey, vielen Dank schon mal für Antworten Teil 1 😉
    Ja, Demut vor der Individualität und Komplexität des anderen sowie Geduld sind sicher gut therapeutische Begleiter! Ich kann die Geduld bei mir selbst nur schwer zeigen, möchte immer lieber gleich vom Start zum Ziel hüpfen, sobald ich etwas im Kopf verstanden habe. Muss da von außern ab und zu mal „zurückgepfiffen“ und daran erinnert werden, dass die Emotionen nicht immer so schnell hinterher kommen, wie man Kopf vorausrennt.
    Deshalb meine Bewunderung, wenn du es schaffst, diese Geduld mit deinen Patienten zu haben!

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