Psychotherapeuten auf der Couch?

Na? Irritiert? Gut so! Und andererseits schade. Denn es zeigt, wie wenig bekannt es ist:

Psychotherapeuten gehen während ihrer Ausbildung selbst in Therapie.

Und das ist wichtig. Wie könnten wir denn anderen Menschen beim Erforschen ihrer inneren Landkarte, beim Bezwingen von Bergen und Durchschreiten von Tälern, helfen, wenn wir unsere eigene innere Landschaft nicht kennen? Auch wir haben Berge und Täler, sonnendurchflutete Wiesen und dunkle Höhlen. Und nur, wenn wir wissen, wie wir uns auf den verschiedenen Terrains bewegen müssen, können wir unseren Patienten als „Guide“ auf ihrem ganz eigenen Weg begleiten.

Ansonsten könnte es auch passieren, dass wir die innere Landschaft unseres Patienten mit unserer eigenen verwechseln und – sogar ohne es zu merken – uns selbst im Patienten versuchen zu therapieren. Außerdem sammeln wir natürlich eine ganze Reihe an wertvollen Erfahrungen:

Wie ist es, in Therapie zu gehen? Wie fühlt man sich, was durchlebt man, wie erlebt man die Beziehung zum Psychotherapeuten? Man lernt also hautnah kennen, wie sich die „andere Seite“ anfühlt – wenigstens im Ansatz, denn wir sollten während der Ausbildung selbst nicht psychisch erkrankt sein. Aber klar, wir haben „auch so Probleme wie normale Menschen“. 😉 Eine Lehrtherapie ist auch sehr hilfreich, um am eigenen Leib zu erfahren, wie „ganz praktisch“ Therapie funktioniert und was einzelne Interventionen in einem auslösen können. Und eins kann ich euch verraten: die eigenen Lehrtherapeuten prägen einen in der späteren eigenen Arbeit sehr! 🙂

Ist das gesetzlich vorgeschrieben?

Na klar, wir sind doch in Deutschland. 😉
Für die drei Richtlinienverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse) gelten jeweils unterschiedliche Regelungen, die auch von Ausbildungsinstitut zu Ausbildungsinstitut verschieden sind. Gesetzlich vorgeschrieben sind für alle drei Verfahren laut mindestens 120 Stunden.

Verhaltenstherapeutische Institute belassen es häufiger dabei, einiges kann man auch als Gruppentherapie machen.
Ich selber bin an einem C.G. Jung-Institut, in dem man tiefenpsychologisch fundierte Therapie und analytische Therapie lernen kann. Für die tiefenpsychologisch fundierte Ausbildung sind dort offiziell auch „nur“ 120 Stunden Selbsterfahrung zwingend vorgeschrieben, aber es wird erwartet, dass man über die gesamte Dauer der Ausbildung (und das sind meist etwa 5-6 Jahre) ein Mal pro Woche in Lehrtherapie geht. Selbst mit Urlaubszeiten kommen da deutlich mehr als die 120 Stunden zusammen.
Die analytische Therapie setzt noch eins drauf: dort sind mindestens 300 Stunden Lehranalyse vorgeschrieben. Soweit ich weiß, kommt die Zahl dadurch zustande, dass von den Krankenkassen maximal 300 Stunden (innerhalb einer Therapie) für einen Patienten bewilligt werden und man sollte eben mindestens so viel Therapie gemacht haben, wie man später mit einem Patienten arbeiten darf. Da die Vorgabe bei der analytischen Ausbildung aber ist, (in der Regel) zwei Mal die Woche zu kommen, summiert sich das über die Jahre der Ausbildung natürlich noch viel mehr.
(Ausbildungskanidaten an freudianischen Instituten dürfen übrigens drei bis vier Mal die Woche zur Lehranalyse!)

Fun Fact:

Nein, eigentlich kein Fun Fact, denn lustig ist es nicht: wir bezahlen die Lehranalyse aus eigener Tasche. Meistens mit einem Honorar von 60 bis 90 Euro pro Stunde (eher 90 als 60…). Da kommen also schnell einige zehntausend Euro zusammen.

Wie man das finanziert?

Ab dem dritten Jahr der (berufsbegleitenden) Ausbildung darf man selbst unter Supervision behandeln (je nach Ausbildung 1200 Stunden, von denen jede vierte supervidiert werden muss – natürlich auch für ein entsprechendes Honorar – also nochmal 300 Stunden) und verdient dann in etwa den Stundenlohn, den man dem Lehrtherapeuten/Lehranalytiker/Supervisor wieder bezahlt. Wenn es gut läuft, kommt man am Ende der Ausbildung auf Null heraus, aber in meinem Gefühl funktioniert das eher auf dem Blatt als in der Realität. Außerdem müssen viele Studierende für die ersten zwei Jahre (in denen man ja zumindest an der Ausbildung noch nichts verdient – deswegen ist sie auch berufsbegleitend) einen Kredit aufnehmen.

Geld - Lehrtherapie ist teuer
Psychotherapeuten auf der Couch
(c) Ralf Houven, Münzen – panoramio, CC BY 3.0
Bringt das was?

Ja. Ich finde es gut und wichtig, begleitend zur Ausbildung Eigentherapie zu machen. Insbesondere in meiner ersten Ausbildung (Transaktionsanalyse – da sind auch mindestens 120 Stunden vorgeschrieben) habe ich enorm viel über mich selbst gelernt. Ich habe innere Krisen durchlebt und wunderbar beglückende Erfahrungen gemacht und ein stabiles Fundament für meine Arbeit legen können. Dass man allerdings diesen wirklich großen finanziellen Aufwand zu stemmen hat, ist hart und sicher für manchen auch ein Grund, keine analytische Ausbildung zu absolvieren.

Wie seht ihr das? Wusstet ihr über die verpflichtende Lehrtherapie Bescheid? Wie findet ihr, dass es aus eigener Tasche finanziert werden muss? Findet ihr die Anzahl der Stunden angemessen? Müsste es mehr sein? Oder weniger?

Titelbild: (c) ROBERT HUFFSTUTTER, FREUD’S SOFA, Lizenz: CC BY 2.0

24 Gedanken zu “Psychotherapeuten auf der Couch?

  1. anmatis

    Danke für den Einblick. Ich wusste nicht das es Pflicht ist, aber ich finde es gut das auch Therapeuten oder die die es werden wollen, sich dem stellen müssen. Du hast geschrieben: das ihr sonst ja Gefahr lauft euch selbst im Patienten zu therapieren oder so ähnlich.
    Aber leider muss ich sagen,das es auch solche Therapeuten gibt.Die wahrscheinlich dabei nichts gelernt haben und vielleicht eine Auffrischung bräuchten.
    Aber aus eigener Tasche zu finanzieren find ich schon hart. Es heißt zu wenig Therapeuten, aber auf der anderen Seite unterstützt man es doch das es wenige sind indem sie alles selber tragen müssen. Es gibt bestimmt viele die genau aus seinem Grund sich nicht für Psychologie entscheiden. Oh das war jetzt aber viel. Sorry

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    1. Hallo anmatis,

      danke für deinen Kommentar! Ja, du hast völlig Recht. Ich bin auch schon auf Kollegen getroffen, bei denen ich ehrlich gesagt etwas erschrocken war, über wie wenig Selbstreflektionsfähigkeit sie verfügen… Vielleicht sollte ich schreiben „um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass…“…
      Übrigens gibt es genug Therapeuten. Das Problem ist, dass die Anzahl der Kassensitze (-> diese Therapeuten dürfen mit den Krankenkassen abrechnen) pro Landkreis festgelegt und einfach viel zu niedrig berechnet ist. Die Bedarfsplanung wurde glaube ich Anfang der neunziger gemacht und seither nicht mehr überarbeitet…. Viele Therapeuten bekommen daher einfach keinen Kassensitz. Momentan ist es so, dass man nur einen bekommt, wenn ein Kollege in Rente geht und man auf einer bestimmten Liste steht. Und diesen Sitz muss man dem in Rente gehenden Kollegen dann auch abkaufen… in den beliebten Regionen dann auch nochmal für einige zehntausend Euro…

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      1. anmatis

        Wow…. das ist ja wohl noch so ein Unding! Um so mehr Respekt an alle die das in Kauf nehmen. Aber mal ehrlich wer berechnet denn wie viel Bedarf Grad ist oder auch nicht? Und seit den Neunzigern sind es doch auch viel mehr geworden,die Hilfe brauchen oder irre ich mich? Ganz ehrlich muss man das verstehen? Das macht mich Grad echt etwas wütend. Und das ist ein seltenes Gefühl bei mir

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        1. Ja, das ist so ne berufspolitische Kiste… ich sehe gerade, dass der G-BA (der gemeinsame Bundesausschuss) wohl 2013 an der Planung was überarbeitet hat (hier nachzulesen: https://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/bedarfsplanung/richtlinie/ ), das soll aber insbesondere die Versorgung auf dem Land verbessern. Aber auch in Städten wartet man gut und gerne mal ein halbes Jahr…
          Ich denke auch, dass es mehr Leute geworden sind, die Hilfe brauchen. Sicher gibts dazu auch Studien/Statistiken. Was aber sicher dazu kommt, ist, dass die Menschen immer bereiter werden, sich Hilfe zu suchen, weil das Thema zumindest ein Stück weit mehr in der Gesellschaft ankommt.
          Eigentlich müsste es noch viel mehr Kassensitze geben – auch, um die Therapeuten zu entlassen. Es ist schlimm, hilfesuchende Menschen abweisen zu müssen, weil man schon bis unters Dach voll ist. Ich verstehe auch die Idee hinter der Begrenzung nicht. Nicht behandelte Menschen sind für das Gesundheitssystem schlussendlich viel teurer, weil sich eine Erkrankung unter Umständen chronifiziert… *seufz* Da könnte man auch mal nen Blogbeitrag draus machen…

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  2. Das TherapeutInnen auch zu therapeutischen Sitzungen müssen, war mir irgendwie geläufig und ich bin der Meinung, dass es absolut sinnvoll ist. Die Kosten finde ich dennoch zu hoch. Zwar bekommen Auszubildende in einem Handwerk einen, wenn auch eventuell geringen Lohn, aber sie bekommen einen. Wenn sie sich dann zum Meister weiter bilden möchten, zahlen sie das dann aber auch selbst. Gerade weil es doch einen Mangel an kassenzugelassenen TherapeutInnen gibt, sollte es da mehr Förderung geben. Allerdings denke und hoffe ich, dass der Beruf Therapeut eher eine Berufung ist und da können „Widrigkeiten“ schon auch die Spreu vom Weizen trennen. Wie in jeder „Branche“ gibts bestimmt auch Menschen, die im wachsenden „Markt“ gerne schnell und gut verdienen möchten und für solche Charaktere liegt die „Hürde“ dann wenigstens nicht zu niedrig. LG

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    1. … der Beruf MUSS eine Berufung sein… wenn man nicht grade nur Privatpatienten hat, verdient man längst nicht so gut, wie viele Leute denken. Wir behandeln ja auch nicht 40 Stunden in der Woche, die wir abrechnen könnten. Vielleicht schafft man 30 mit einem vollen Kassensitz, aber dann muss man in den Anträgen richtig schnell sein und ohne Überstunden geht es wahrscheinlich trotzdem nicht. Außerdem kommt die Miete für die Praxisräumlichkeiten dazu, man zahlt hohe Krankenkassenbeiträge, allerlei andere Versicherungen, Fortbildungen, die Steuern natürlich, usw. Am Hungertuch nagt man als Therapeut nicht, aber im Vergleich mit anderen Approbierten verdienen sie nur einen Bruchteil…
      Ich hab‘ es schon in einem anderen Kommentar geschrieben: der Mangel kommt nicht dadurch zustande, dass es zu wenig approbierte Therapeuten gibt, er kommt dadurch zustande, dass längst nicht alle approbierten eine Kassenzulassung bekommen können, da pro Landkreis nur eine bestimmte Zahl zugelassen ist… :/
      Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar! 🙂

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      1. … im Vergleich zu anderen Approbierten hat man als Psychotherapeut auch kaum Verantwortung – oder wie viele Therapeuten kennst Du persönlich, die wegen eines Behandlungsfehlers gerichtlich zur Rechenschaft gezogen wurden?
        Sehr schade an der selbstfinanzierten Ausbildung (was ja bei anderen med. Berufen nicht so ist): Es hält Leute aus dem Beruf draußen, die ihn vielleicht super machen würden, und bleibt weiterhin ein Job für reiche Töchter (die oft aus einer ganz anderen sozialen Schicht sind als ihre Patienten), weil man eben die hohen Berufseinstiegskosten irgendwie stemmen muss, während man sich dann ein Berufsleben lang darauf ausruhen darf – keinerlei laufende Fortbildung vorgeschrieben. Ich hoffe, dass sich diese Punkte in Zukunft verbessern werden. lg s

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          1. Ah, das hatte ich natürlich nicht bedacht. In Deutschland übernehmen die Kassen die Kosten; allerdings sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz manchmal so lang, dass sich Leute entscheiden, ganz oder zumindest übergangsweise zu einem Therapeuten zu gehen, der nicht mit den Kassen abrechnet und noch freie Kapazitäten hat.
            Erschreckend, dass es in anderen Ländern offenbar nochmal ganz anders zugeht…

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          2. Hallo Jeca, theoretisch kannst Du auch hier nach jahrelanger Wartezeit bei einer Anfängertherapeutin ein paar Stunden von der Krankenkasse bekommen. ODEr man findet eine Therapeutin für ca. 20 EUR / Einheit arbeiten mag. Sehr realistisch alles mit DIS – wohl eher eine Lösung für Menschen, die eine mittelgradig verstimmte Phase haben, aber kein ernsthaftes krankheitswertiges Problem. Das ist bei uns echt blöd geregelt, wenn man kein Geld hat. Ich hab Glück und kann mir das bezahlen. lg s.

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  3. Das angehende Psychotherapeuten selbst Therapie machen müssen, war mir bekannt und ich finde diese Selbsterfahrung auch sehr sinnvoll. Doch wie schaut es dann im späteren Berufsleben aus? Gibt es dann auch noch die Pflicht seine Arbeit zu reflektieren oder ist das nur freiwillig?

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    1. Liebe Sonja,

      später gibt es dazu leider keine Verpflichtung mehr. 😦 Es sei denn, du absolvierst eine weitere Ausbildung, was durchaus einige Therapeuten tun. Ich kenne zum Glück auch viele, die dann sogenannte Intervision machen – sich also kollegialen Austausch suchen und sich gegenseitig zu ihren Fällen beraten. Ich finde das absolut wichtig und investiere durchaus auch die ein oder andere Stunde in „richtige“ Supervision von einem akkreditierten Supervisor.
      Niedergelassene Therapeuten müssen allerdings regelmäßig zumindest Fortbildungsveranstaltungen besuchen und dabei Punkte sammeln, die sie nachweisen müssen. Soweit ich weiß, gibt es aber nichts dergleichen im Bezug auf Supervision. Selbsterfahrung ist definitiv nicht mehr verpflichtend.

      LG,
      Jessica

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      1. Moin Jessica,
        zunächst kurz: Der Beruf MUSS eine Berufung sein..ganz klar. Und deine Schirme gefallen mir und haben mich an ein früheres Fotoshooting erinnert.
        Zur Sache: Über die sog. Psychoanalyse noch weiter zu reden, bringt eigentlich nichts, weil darüber schon zu viel gestritten wurde und sich über die Zeit viel verändert hat. Deine konstruktiven Ansagen diesbezüglich sind vollkommen richtig, wenn`s darum geht, bestimmte Verhaltensmuster in Betracht zu ziehen oder aufzudecken, das über die Jahre konditioniert wurden. Ja, und das geht schon bis in die erlebte und vergessene Kindheit zurück, um es mal so auszudrücken. Dann beginnt der eigentliche Therapieprozess…
        Meine kritische Anmerkung zur Selbsterfahrung bzw – therapie ist sehr persönlich, da mein bester Freund diesen langwierigen Prozess mitmachen musste. Und da ich weiß, dass mein Freund selbst in seiner Lebensgeschichte sehr stark psychisch belastet ist, beschleicht mich der Eindruck, dass diese eigenen Belastungen sich auf sein therapeutisches Konzept irgendwie auswirken bzw. der ganze Prozess mehr `unvoreingenommen´ verläuft. Mir fällt dazu der Begriff des Spiegelns ein, sei es bewusst oder unbewusst. Vielleicht ist das auch vollkommen daneben.
        Jedenfalls tut mir das gut, dass ich mich hier zum Ausdruck bringen kann.
        In meinem Blog wollte ich zunächst nur über Psychologie bzw. – therapie schreiben, bekam dazu allerdings keine Leser. Ich in bei den `Gefühlen´ stehen geblieben. Vielleicht mach ich damit ja doch nochmal weiter.
        Mit verbindlichen Grüßen!
        Jürgen aus Loy

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    1. Hallo, wenn ich 90-110 EUR für eine Therapiestunde mit krankheitswertiger Störung selbst bezahlen soll: Warum sollten da Therapeuten in spe weniger bezahlen? Ich bezweifle sehr, dass eine „Lehrtherapie ohne krankheitswertigers Störung“ auch nur im Ansatz Einblick gewährt, wie das Psywesen so läuft. Es lehrt einen vielleicht, wie man 150 Stunden lang kein Problem behebt? Jene Psychiaterin, die ich kenne, die als Studentin selbst Patientin war, hat Ärzte auf der Akutpsychiatrie mit Gegenständen beworfen – ich glaube kaum, dass einen eine Lehrtherapie so aufregen könnte, wie das echte Psywesen. lg s.

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      1. Hallo sonrisa,

        ich weiß, dass es an vielen Stellen nicht so ist, dennoch: für die Behandlung einer krankheitswertigen Störung MUSS die Therapie kostenlos verfügbar sein. Mir ist natürlich bewusst, wie schlecht die Versorgungslage in vielen Gebieten ist und das ist ein ganz großes Problem in unserem Gesundheitssystem.
        Ich bin mir nicht sicher, was du meinst mit „wie das Psywesen so läuft“. Natürlich ist eine Lehrtherapie mit einer „normalen“ Therapie nicht gleich zu setzen und ich habe versucht, das in meinem Beitrag darzustellen.
        Hat die Psychiaterin, von der du schreibst, die Ärzte beworfen, als sie selbst als Patientin dort war oder als sie selbst schon als Psychiaterin tätig war?

        Viele Grüße,
        Jessica

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        1. Ja, das eine Land bietet mehr soziale Hängematte, das andere weniger.
          Mir wie das Psywesen so läuft meine ich die Dinge, die jeden Tag passieren: Diagnosen werden vergeben aufgrund eines flüchtigen Eindrucks, aber keiner gründlichen Prüfung, diese wird Patienten nicht erklärt, und am Ende stellt sich raus, dass sie vermutlich nur vergeben wurde, weil eine Klinik mit mehr Diagnosen mehr mit dem Versicherungsträger abrechnen kann. Dass sich Therapeuten die einfachsten Fälle rauszusuchen scheinen, anstatt irgendeine Versorgungsverantortung zu übernehmen (oder wie erkärst Du Dir, dass ich über 30 Therapeutinnen angeschrieben habe und keine einzige (!) eine DIS-Diagnose behandeln möchte? Und zwar ohne mich je kennengelernt zu haben.) Solche Dinge meine ich damit.
          Die Psychiaterin war damals Studentin und Patientin. Ich denke, es braucht SOWAS, um sich „selbsterfahren“ nennen zu dürfen. Meine Ergotherapeutin hat mir beim letzten Treffen erzählt, dass sie ihre Lehrtherapie (sie ist auch Psychotherapeutin) als „me-time“ empfunden hat und total genossen. Ich gönne ihr das von tiefstem Herzen, aber hat man eine krankheitswertige Störung, sagt man sowas nicht, und „Selbsterfahrung“ ist daher echt nicht das richtige Wort.
          Alles Liebe, s.

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  4. Ich kenne das nur zu gut! Und das ganze sog. `Qualitätsmanagement´ kommt hinterher.
    Ich halte von der Eigenanalyse oder -therapie allerdings nicht so viel. Man könnte daraus auch die Schlussfolgerung ziehen, dass die Therapeuten gerade dadurch wirklich eher sich selbst therapieren als umgekehrt. Das einzige, was bei einer Psychotherapie wirklich hilft, ist die sog. Therapeutische Allianz. Der Neurobiologe Gerhard Roth hat dazu sehr interessante Belege geliefert. Er hat nicht umsonst das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhalten, kein Populist und überwiegend international anerkannt, aber bereits weit über 70.
    Ich habe vor langer Zeit mal versucht, die Psychotherapie zu hinterfragen, aber bin auf wenig Interesse gestoßen. Bei Interesse (mein erster Beitrag von 2015):
    https://4alle.wordpress.com/2015/07/28/psychotherapie-was-steck-dahinter/
    Was mich dagegen hier viel mehr interessiert ist C.G Jung. Das liegt u.a. daran, dass ich mich mit dem von ihm kreierten Begriff der `Synchronizität´ in vielen Beiträgen beschäftigt habe.
    Ich persönlich habe von dieser Erkenntnis für mein Leben sehr profitiert und würde dazu hier noch einen 2. link, teilen, mit dem Bericht von 2012, der immer mal wieder aktuell diskutiert wird. Es ist nicht der beste Bericht von mir, hat aber die meisten Kommentare:
    https://4alle.wordpress.com/2012/12/02/synchronizitat-oder-zufall/
    Sorry für die ganze Selbstverlinkung, aber du hast insbes. durch C.G. Jung einen besonderen Nerv bei mir getroffen.
    Alles Gute!
    Jürgen aus Loy (PJP)

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    1. Lieber Jürgen,

      danke für deinen Beitrag! Ich habe noch nicht ganz verstanden, wie du das meinst: inwiefern könnte eine Selbsterfahrung dazu beitragen, dass man GRADE DANN eher sich selbst im Patienten therapiert?
      Zu deinen Artikeln: im Kommentarbereich zum ersten habe ich einen Satz zur Psychoanalyse gefunden. Der klang für mich so, als ob es nur darum ginge, in einer Analyse die ganze Kindheit bzw. schlimme Ereignisse in selbiger durchzukauen. Das ist nicht mein Verständnis von Analyse und ich kenne viele Lehrende, die da auch widersprechen würden. Ich verstehe Analyse so, dass sich in der therapeutischen Beziehung, die im Hier und Jetzt stattfindet (!), bestimmte Beziehungs-, Erlebens- und Verhaltensmuster wiederholen, die ihren Ursprung im Früher haben. Natürlich schaut man sich das Früher dann an, aber nicht um des Früheren willen, sondern um aktuelle Verhaltensmuster zu identifizieren, zu verstehen und schlussendlich zu verändern. So sollte es zumindest (m.E.) laufen… und ja, so ein großer Anhänger davon bin ich selber auch nicht – zumindest nicht in dieser „Reinform“….

      Soweit mal für heute! Schön, wieder von dir zu lesen!

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  5. Ich wollte dir heute eigentlich einen `richtigen´ Brief schreiben, wie ich es in meiner email angekündigt habe, soweit ich mich erinnere.
    Bin leider noch nicht dazu gekommen, weil mein Zeitmanagement mich derzeit überfordert.
    Jürgen aus Loy (PJP)
    P.S. Bin rein zufällig wieder auf diesen Artikle gestoßen und mach jetzt Feierabend! Morgen ist auch noch ein Tag!

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