Quick! Scroll endlessly through social media!


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Social media können für viele Menschen eine Bereicherung des Alltags und des Soziallebens sein – wenn sie in Maßen genutzt werden. Häufig geschieht allerdings, was oben dargestellt ist: social media eigenen sich vortrefflich, um eigene Gefühle nicht wahrnehmen zu müssen. Durch das Smartphone haben wir in jedem Moment unseres Tages die Möglichkeit, uns sofort und sehr erfolgreich von uns und unseren Gefühlen weg zu bewegen. Im ersten Moment sorgt das für schnelle Abhilfe; wir müssen uns mit dem aufkommenden Gefühl nicht beschäftigen. „Los“ werden wir es dadurch allerdings nur in den seltensten Fällen und langfristig werden wir unausgeglichen; schlimmstenfalls sogar depressiv.
Durch die ständige Verfügbarkeit von social media sind wir – viel mehr als früher – der ständigen Versuchung ausgesetzt, uns für den vermeintlich einfachen Weg zu entscheiden: einfach nicht zu fühlen. Einfach ablenken.

Mir gefällt an der Darstellung durch theAwkwardYeti, dass das Herz eigentlich weiß, dass es sich hierbei um keine gute Strategie handelt; im Gegenteil, eigentlich möchte es das Gefühl sogar fühlen dürfen. Unser Gehirn ist allerdings sehr erfolgreich darin, uns Gefühlsregungen zu verbieten. Häufig geschieht das dadurch, dass wir uns nicht in der Lage fühlen, adäquat mit dem Gefühl umzugehen. Was mache ich denn mit der Wut? Habe ich gelernt, wie ich sie nicht-destruktiv, vielleicht sogar konstruktiv, ausleben kann? Was tue ich denn, wenn ich traurig bin? Habe ich innere Anteile, die mich dann trösten können? Oder falle ich sofort in ein Loch? Es ist also ein haltender Rahmen nötig, um uns unseren Gefühlen zu stellen.

Manchmal sind wir aber auch aufgrund einer sogenannten Einschärfung, wie wir das Phänomen in der Transaktionsanalyse nennen, nicht dazu in der Lage. Dabei handelt es sich um eine Botschaft, die wir früh in unserem Leben mitbekommen haben, entweder nur atmosphärisch oder auch ausgesprochen. Eine der in der Transaktionsanalyse bekannten Einschärfungen ist die „fühle nicht“-Einschärfung, bei der das heranwachsende Kind lernt, dass Gefühle nicht in Ordnung sind. Das kann beispielsweise aufgrund einer Krankheit der nahen Bezugsperson sein, weswegen das Kind nicht auch noch durch Gefühlsausbrüche zur Last fallen soll. Manchmal treffen Kinder (und auch Erwachsene) selbst (unbewusst) diese Entscheidung, um nicht mehr verletzt zu werden und die damit einhergehenden Gefühle nicht mehr fühlen zu müssen.

Und manchmal haben wir vielleicht auch einfach keine Lust. Und das ist ja auch mal in Ordnung.

Mehr zum Thema:
Susi ohne Mama – Generation „Handy“

4 Gedanken zu “Quick! Scroll endlessly through social media!

  1. Nach anfänglichem starken Interesse, nutze ich Socialmedia-Dienste genau so wie altmodische Erfindungen, wie Telefon oder Fernsehen.
    Nur weil ich ein Telefon habe, telefoniere ich fa nicht den ganzen Tag – warum sollte es mit Social-Media-Diensten anders sein.
    Dadurch dass ich bewusst im real-life kommuniziere, gibt es häufig erfreute Reaktionen. Diese echten Gespräche sind wesentlich interessanter und erfüllender, da sie keine Zeichenbegrenzung haben und neben Stimmlage und Ausdruck auch detaillierte Gestik, und Mimik bieten.
    Social-Medianer sind da gelegentluch völlig geflasht.

    Die Frage lautet – welcher Informationsaustausch ist „normal“. 😉

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    1. VIelen Dank für deinen Kommentar! Da hast du eine gesunde Einstellung gefunden…Social media unterbreiten einem m.E. zusätzlich die Illusion, man könne mit so vielen Menschen gleichzeitig freundschaftliche Beziehungen pflegen.
      Wollte auch schon lange bei dir mal wieder kommentieren; kann aber zumindest vermelden, dass ich immer noch regelmäßig (manchmal jedoch mit etwas Verspäatung…) und mit großem Interesse lese! 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Jeca,
    ich beschäftige mich seit einigen Monaten auch intensiver mit meinem online Konsum und was es mit mir macht. Häufig fühle ich mich gestresst, immer und überall verfügbar zu sein. Bin ich es nicht, fühle ich mich übersehen, vergessen. Total irre eigentlich! Seit einiger Zeit ziehe ich mich bewusst zurück, probiere aus, wie es ist, nicht ständig auf Instagram sein Herz zu verteilen. Aber ein Anteil in mir hat große Angst, vergessen zu werden. Es ist immerhin mein Nabel zur Außenwelt. In den letzten Wochen ist mir aufgefallen wie ambivalent ich bin. Einerseits habe ich überhaupt keine Lust auf soziale Medien, andererseits mache ich mir Druck, mich mal wieder ‚präsentieren‘ zu müssen. Mit meinem Blog geht es mir ähnlich. Im Augenblick ist es mehr Druck als Spaß, daher gerade die langen Pausen.

    Zu dem Thema endless scrolling habe ich letztens eine interessante Doku über social media gesehen. Da sagte ein ehemaliger Mitarbeiter von facebook, dass genau dieses endless scrolling gut geeignet sei, dich abhängig zu machen. Du scrollst und scollst und scrollst und vergisst dich einfach. Irgendwie doch schrecklich!

    Viele Grüße von Annie

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Annie,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Schön, deine Gedankengänge dazu zu lesen.
      Ja, social media und auch Blogs sind ein zweischneidiges Schwert. Es ist gut, dass du merkst, dass es dir momentan mehr Druck als Spaß macht und ich wünsche dir, dass du dir innerlich auch wirklich die Erlaubnis dazu geben kannst, mal eine Pause zu machen. So lange, wie es gut für dich ist.
      Und klar, der Wunsch, „gesehen“ zu werden – mit den eigenen Gefühlen, Gedanken, mit seinem ganzen Sein – ist ja völlig nachvollziehbar. Und ich denke, es ist wichtig, das auch außerhalb der virtuellen Welt zu bekommen. Ohne „Gesehenwerden“ gehts nicht, das ist ja ganz klar. Und die Verführung ist einfach groß, es virtuell an den Klickzahlen und Likes festzumachen. Wie fatal ist es dann, wenn man mal ein paar Wochen nicht posten mag und dann gefühlt alles wegbricht.
      Ich hoffe, du hast auch außerhalb der virtuellen Welt ein paar Menschen, von denen du dich gesehen fühlst. Oft reicht ja schon eine einzige Person aus.

      Endless scrolling: oh ja! Das finde ich auch hoch problematisch. Wir Menschen machen ja Dinge gerne fertig (gut, zugegebenermaßen nicht jeder…), aber durch das endless scrolling bekommen wir ständig die Rückmeldung, dass wir eben noch nicht fertig sind. Und uns da selber in großer Bewusstheit zuzusprechen, dass es einfach okay ist und wir selber beschließen können, dass wir jetzt fertig sind, ist eine Herausforderung!

      Viele Grüße,
      Jessica

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