[Träume] Sind Träume nur Schäume?

Viele fragen sich, welchen Sinn die Beschäftigung mit Träumen überhaupt hat. Ist „Träume sind Schäume“ nicht ein treffendes Sprichwort? Oder sind Träume vielleicht doch mehr als nur ein Wirrwarr aus Bildern und Geschichten?

Aus meiner persönlichen Erfahrung, aber auch im beruflichen und privaten Umfeld wird mir immer mehr deutlich, wie wichtig diese nächtlichen Botschaften für uns sein können. Ganz besonders deutlich zeigen uns das sogenannte Wiederholungsträume, also Träume, die immer wieder mit exakt oder fast identischem Inhalt auftreten. Die Erfahrung zeigt, dass diese Träume dann aufhören, wenn ihre Bedeutung, ihre Botschaft an uns, entschlüsselt worden ist. Das kann die Aufforderung sein, eine unliebsame und lange aufgeschobene Aufgabe in Angriff zu nehmen, uns mit jemandem auszusöhnen, uns mit einer Charaktereigenschaft auseinander zu setzen, die wir nicht an uns mögen, eine Schuld einzugestehen, uns mit dem Tod auseinander zu setzen oder etwas ganz Anderes. Wenn wir diese Botschaft aber immer wieder beiseite schieben, bleibt unserem Unbewussten gar nichts Anderes übrig, als immer lauter zu klopfen, den Traum immer häufiger und eindringlicher zu präsentieren, bis wir uns auf den Weg des Verstehens begeben.

Auch unabhängig von Wiederholungsträumen ist die Welt der Träume interessant für uns – wir begegnen uns in ihnen gewissermaßen selbst. Schließlich können unsere Träume nur aus dem entstehen, was in uns ist, seien es Erfahrungen, Erinnerungen, Wünsche oder Ängste. C.G. Jung hat dies unter dem Ansatz der subjektstufigen Deutung zusammengefasst. Die Idee dabei ist, dass jede Traumfigur ein Teil unserer Selbst ist. Und die strenge Buchhalterin, die so ganz anders ist als ich? Oder der Punker? Gerade auch die Anteile, die wir in unserem Wachleben überhaupt nicht ausleben, haben oft nachts die Bühne, denn wir alle tragen auch Charakterzüge in uns, die uns fremd sind. C.G. Jung spricht dabei von der sogenannten „homöostatischen Funktion“ des Traums – ein Ausgleich zum oft einseitigen Wachleben. Uns mit diesen Trauminhalten und Traumpersonen auseinander zu setzen kann wertvolles Entwicklungspotenzial für unsere Persönlichkeit darstellen.

Das Beschäftigen mit unseren Träumen führt zudem ganz automatisch dazu, dass wir uns an mehr Träume erinnern – auch an schöne Träume. Manchmal erwacht man dann morgens ganz verzaubert von dem nächtlichen Geschehen – vielleicht war ja sogar ein Flug-Traum dabei, in dem man durch die Lüfte schwebte?

Wie ist das bei euch? Habt ihr einen Zugang zu euren Träumen?

An dieser Stelle auch ein herzliches Willkommen allen neuen Lesern, die in der Zwischenzeit wieder hinzugekommen sind!

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Blogbeitrag von 2018: C.G. Jung und Elias Canetti: „Alles, was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe“

Bildnachweis: (c) Gozitano, Dreamcatcher in the sky, Helligkeits-, Kontrast- und Farbtonveränderung von Jeca (Psychologik), CC BY-SA 4.0


6 Gedanken zu “[Träume] Sind Träume nur Schäume?

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